Energieeffizienz trifft moderne Mobilität

Leer. Die SCORE Tankstelle in Leer setzt neue Maßstäbe: Das Gebäude entspricht der höchsten Energieeffizienzstufe nach der KfW-Definition. Außerdem steht CO2-reduzierte Mobilität im Vordergrund: Das Laden von Elektroautos kann dank der eigenen PV-Anlagen mit Strom aus Sonnenenergie erfolgen und auch für Verbrenner gibt es eine Alternative mit reduzierten CO2-Neuemissionen¹.

¹ Unter CO2-Neuemissionen werden CO2-Emissionen verstanden, die bei der Nutzung fossiler Kraftstoffe neu in die Luft freigesetzt werden.

Erste Tankstelle nach KfW40 Plus-Standard
Im privaten Wohnungsbau hat SCORE damit bereits Erfahrungen, im Bereich Gewerbeimmobilien ist es eine Premiere. Bisher wurden neue Tankstellen auch schon energieeffizient gebaut, aber nach dem Standard KfW 40 Plus ist es die erste Tankstelle im SCORE Netz. „Für das Shopgebäude mit seiner typischen, schräg gestellten Glasfassade war es eine besondere Herausforderung, die Rahmenbedingungen zu erfüllen”, verrät Anja Manssen (Projektverantwortliche bei SCORE). Dafür wurde z. B. eine Luftwärmepumpe sowie eine umfangreiche PV-Anlage in das Gesamtkonzept integriert.

Ressourcenschonende Autowäsche
Möglichst ressourcenschonend ist auch SCORE Wash. Für die Autowäsche kann je nach Auslastung auf den vor Ort durch die PV-Anlage produzierten Strom zurückgegriffen werden. Seit einigen Jahren lässt SCORE bei Neubauten bereits Regenwassersammelbecken im Boden ein – so auch in Leer. Darin können 22.000 Liter Regenwasser gesammelt werden. Dieses wird gefiltert und gereinigt dem Waschprozess zugeführt, um Frischwasser zu sparen. Da das Brauchwasser nach der Wäsche wieder aufbereitet wird, entsteht ein Wasserkreislauf.

Auf dem Weg zu CO2-reduzierter Mobilität
An der SCORE Tankstelle in Leer wird zum ersten Mal Diesel MAXX in einer neuen Zusammensetzung angeboten. Zuvor beinhaltete die Diesel-Alternative mit reduzierten CO2-Neuemissionen zu 25 % sogenanntes GTL (Gas To Liquid). Da es mit HVO (Hydrogenated Vegetable Oils) mittlerweile ein synthetisches Produkt mit einer höheren CO2-Reduktion gibt, ändert sich die Zusammensetzung. HVO wird aus pflanzlichen Speiseresten gewonnen. Sobald es technisch und wirtschaftlich möglich ist, soll auch der Einsatz von eFuels geprüft werden.

Synthetische Antriebsstoffe werden im Allgemeinen als XTL bezeichnet. Dabei steht X für einen Energieträger, der in eine flüssige Form (To Liquid) gebracht wird. Die Verfahren und Rohstoffe können unterschiedlich sein, aber die synthetischen Antriebsstoffe verfolgen ein gemeinsames Ziel: leistungsstarke Mobilität mit reduzierten CO2-Neuemissionen zu ermöglichen.

Durch den Einsatz von XTL entstehen gleich zwei Vorteile: Das Produkt ist leistungsstark und kann – abhängig von Rohstoffbasis und Lieferkette – zur Reduktion von bis zu 28 % CO2-Neuemissionen im gesamten Lebenszyklus ggü. herkömmlichem Diesel (B7) beitragen (Ermittlung gemäß Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung). Da Diesel MAXX für alle Dieselmotoren geeignet ist, sind also sofort wirksame Effekte möglich. Wenn eine entsprechende Freigabe des Fahrzeugherstellers vorliegt, kann sogar Diesel MAXX 100 (vollsynthetisches HVO nach DIN EN 15940) getankt werden – damit ist eine Reduktion von bis zu 90 % CO2-Neuemissionen im gesamten Lebenszyklus ggü. herkömmlichem Diesel (B7) möglich (abhängig von Rohstoffbasis und Lieferkette; Ermittlung gemäß Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Mehr unter: www.klima-kraftstoffe.de).

Sonnenenergie ermöglicht Laden mit eigenem PV-Strom
Neben der PV-Anlage, die sich auch schon an vielen anderen SCORE Tankstellen auf den Gebäudedächern befindet, werden auf allen geeigneten Flächen zusätzliche Module installiert. So ist Leer zum Beispiel der erste Standort, an dem SCORE auch lichtdurchlässige PV-Module verwenden möchte. Diese werden auf den überdachten Parkplätzen zu finden sein, sodass bei Tageslicht keine zusätzliche Beleuchtung nötig ist. Aktuell sind die transparenten PV-Module noch nicht verfügbar, sodass zunächst eine Übergangslösung montiert wurde.

Ziel der gewonnenen Sonnenergie: so viel Laden mit eigenem PV-Strom wie möglich zu realisieren. Denn Elektromobilität ist nur dann CO2-reduziert, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird!

Das System ist modular erweiterbar, das heißt, zunächst wird es zwei Schnellladesäulen und zwei Normalladesäulen geben. Für die Erweiterung weiterer Ladesäulen ist bereits alles vorbereitet. Im rückwärtigen Bereich des Shopgebäudes befindet sich ein überdachter Bereich zum (Schnell-)Laden von Elektro-Fahrzeugen. Aktuell gibt es hier die Möglichkeit, an vier Plätzen mit 22 kW und an einem Platz mit 50 kW zu laden. Zusätzlich befindet sich direkt neben dem Shopeingang ein Hypercharger mit 150 kW. Hier beträgt die Schnellladezeit ca. 20 Minuten. Wenn der Bedarf an Ladekapazitäten steigt, können weitere Ladeplätze ergänzt werden.

Das gesamte PV- und Ladekonzept wurde von SCORE selbst entwickelt. Dabei war dem Unternehmen besonders wichtig, modular zu denken, um ähnliche Nachrüstungen an anderen Standorten möglich zu machen. Eine besondere Herausforderung neben den verfügbaren Flächen ist vor allem die Sicherstellung der Stromversorgung bei voller Auslastung der Schnellladesäulen.

Deshalb ist das Herzstück des gesamten Ladekonzeptes der Stromspeicher, der sich neben den überdachten Ladeplätzen befindet. Der Strom wird durch die PV-Anlage, die sich über sämtliche Dachflächen erstreckt, gewonnen und kann vollständig genutzt werden. Denn dieser wird direkt vor Ort in einem intelligenten System gespeichert. So kann der PV-Strom z. B. auch spät am Abend noch geladen werden. Zudem können sogar Wettervorhersagen bei der intelligenten Steuerung des Stroms berücksichtigt werden.